Papers, Please im Test

Papers, Please im Test

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Papers, Please – Ein Spiel über Bürokratie, ungewollter Entscheidungen und einer grausam kommunistischen Regierung.

PP_2Wir haben gewonnen! Haben wir?

Durch den Gewinn in einer Arbeitslotterie hat unser Protagonist die Stelle als Grenzbeamter an einer Kontrollstelle zugelost bekommen. Da wir leider keine Wahl haben und unsere Familie ernähren müssen, nehmen wir dankend an und beginnen unseren ersten Arbeitstag. Nachdem wir in unserem Grenzhäuschen platz genommen haben, studieren wir kurz unsere erste Arbeitsanweisung. Einheimische müssen auf die Richtigkeit ihrer Personalien überprüft werden, beziehungsweise ob die Papiere noch ihre Gültigkeit besitzen. Bewohner der Nachbarstaaten werden direkt verwiesen und haben keine Chance auf Einlass. Dies geht noch recht zügig von der Hand und nach 7 Spielminuten beenden wir den Tag und bekommen für jede positiv abgehandelt Person eine Vergütung, mit der wir unsere Miete, Nahrung und eventuell Medizin für kranke Familienmitglieder begleichen müssen.

PP_3Wir werden zur bürokratischen Maschine

Bezahlt wird wirklich nur für Personen, die ins Land gelassen wurden. So überlegen wir uns für den nächsten Tag, schneller zu kontrollieren und eventuell auch mal nur einen kurzen Blick auf die Papiere zu werfen und öfter mal ein Auge zuzudrücken. Unsere Regierung verzeiht uns pro Arbeitstag zwei Fehltritte und diese werden uns auch sofort nach Einlass per Fax mitgeteilt. Für illegale Einwanderer erhalten wir keinerlei Vergütung. Im Spielverlauf stellt uns die Regierung von Arstotzka, so heißt unser kommunistischer Staat, immer schwerer Aufgaben, beziehungsweise benötigen wir viel mehr Zeit jede Einzelheit zu überprüfen – bei gleichbleibender Bezahlung versteht sich. Wir verrichten wie eine Maschine unseren Job und achten immer weniger auf Bitten und Betteleien von Menschen, die teilweise ihre Papiere nicht korrekt vorlegen können, von der eigenen Regierung verfolgt werden oder sonstige Probleme haben.

PP_5Mit Verstand Geld ausgeben

Die Spielmechanik von Papers, Please scheint auf den ersten Blick banal, aber nach ein paar Ingame-Spieltagen realisieren wir, wie tief gehend und knifflig das ganze wird. Auf unserem viel zu kleinen Schreibtisch müssen wir zeitweise bis zu fünf Dokumente kontrollieren und nebenbei noch den Einreisenden befragen. Letzteres erfolgt übrigens im Textfenster. Eine Sprachausgabe besitzt das Spiel nicht. Das visuelle Erscheinungsbild von Papers, Please ist auch sehr simpel gehalten. Außer dem Spielmenü und dem Aktionsfenster in dem wir unseren Schreibtisch, den Kontrollposten und das Sichtfenster im Überblick haben, gibt es nur noch ein Fenster in dem wir unseren hart erarbeiteten Lohn ausgeben können. Hier gilt es zu entscheiden ob wir unserem Sohn lebenswichtige Medizin zukommen zu lassen oder Upgrades kaufen, die uns noch schneller arbeiten lassen. Trotz dieses sehr einfach dargestellten Fensters, fühlen wir uns für unsere Familie verantwortlich.

PP_4Abgelehnt – NÄCHSTER!

Besonders gerissene Fälschungen auffliegen zu lassen macht uns irgendwann Spaß und wenn wir uns zu Beginn des Spiels noch Erklärungen des einen oder anderen Einreisenden angehört haben, verweisen wir diese nun direkt der Tür, beziehungsweise schließen den Schalter und rufen das Wachpersonal. Zeit ist schließlich Geld. Und das ist in Papers, Please immer sehr knapp bemessen. Wie würdet ihr entscheiden, wenn euch der sehr freundliche Ehemann anbettelt seine Frau die als nächstes in der Reihe steht durchzulassen, uns dann aber auffällt, dass selbige einen ungültigen Pass besitzt. Winken wir sie durch und kassieren eine unserer zwei Abmahnungen oder sparen wir uns diese auf, um uns durch den nächsten illegalen Einwanderer bestechen zu lassen? Letzterer bringt uns immerhin Geld – die Ehefrau würde nur unser Gewissen ein wenig reinwaschen. Diese Fragen stellen wir uns bei Papers, Please ständig. Auch die Wachen des Grenzpostens werden schlecht bezahlt. So bekommen wir eines Tages das Angebot, einer Wache unter die Arme zu greifen und mehr Menschen verhaften zu lassen, da diese pro gefangen genommenen bezahlt werden. Dadurch erhalten wir von der Wache einen kleinen Obolus. Es sei noch erwähnt, dass wir auch an großen Entscheidungen über die Zukunft des Landes teilhaben werden. Ein Rebell einer Organisation taucht an unserem Schalter auf und versucht uns für eine Revolution zu gewinnen. Hier heißt es wieder in Papers, Please-Manier zu entscheiden. Schleusen wir in Zukunft Rebellenagenten durch unseren Grenzposten oder stehen wir treu hinter unserer Regierung? Das Spiel kann auf zwanzig unterschiedlich Weisen enden, je nachdem wie wir uns im Spielverlauf entschieden haben und unserer Regierung positiv oder negativ aufgefallen sind oder es sogar zu einer gewaltsamen Revolution kam.

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Fazit

Papers, Please hat eine niedrig aufgelöste 2D-Grafik, die uns nur zu Beginn etwas stört, da das Spiel sehr viel Spieltiefe besitzt und uns diesen Punkt schnell vergessen lässt. Auch die Sounds, die aus einer insgesamt eher spärlichen Geräuschkulisse bestehen, fallen nicht besonders negativ ins Gewicht. Papers, Please punktet in Sachen Atmosphäre, Tiefgang und Bedienung. Die Handlung eines glaubwürdigen Diktatur-Alltags fesselt und wir freuen uns, dass es sich hierbei nur um ein Spiel und nicht unser reales Leben handelt. Papers, Please erschien am 8. August 2013 für Windows und OS X und ist per Steam und auf gog.com zu bekommen.

Papers, Please auf Steam

Papers, Please auf gog.com

The Verdict

7.8Good

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